Gute Beratung gründet in einem ausführlichen Beratungsgespräch von Angesicht zu Angesicht. Das ist die gängige Auffassung im Private Banking oder im Wealth Management. Viele Kunden - insbesondere jene, deren Anlage-Vorstellungen eher vage sind - sind damit auch zufrieden. Doch immer mehr Privatanleger wollen nicht nur eine gute, sondern auch eine effiziente Beratung ...

Der Kunde ist kein Freund von Kaffeekränzchen. Er ist nüchtern, effizient. Fachliches kommt für ihn vor Empathie. Es ist jemand, der einen Auftrag erteilt und eine ansprechende Lösung will. Daher äußert er per Mail seinen Wunschtermin.

Der Kunde möchte, seiner Haltung gemäß, zu Beginn ein ausführliches Telefonat führen, in dem er dem Berater seine Wünsche und Ziele mitteilt. Erst dann kommt er zur Präsentation des Anlagevorschlags - der anschließend noch einmal von der Bank optimiert werden kann.

Nachtelefonate wünscht er nicht. Doch freut er sich über kurze, präzise Zusammenfassungen der jeweiligen Gesprächsinhalte.

Bereits im Ersttelefonat hat unser Kunde einige allgemeine Fragen: Er möchte wissen, wie hoch die Bank die Inflationsgefahr aus Sicht von fünf Jahren einschätzt. Außerdem interessiert ihn, ob die Anlagezinsen in absehbarer Zeit wieder steigen werden.

Bisher hat er kein Gold. Daher fragt er, ob es für ihn sinnvoll sein kann, jetzt welches zu kaufen?

Der Kunde stammt aus einer wohlhabenden Familie. Sein Vater ist Unternehmer. Eine von den Eltern angelegte Lebensversicherung ist zum 31.12.2013 nach zwölf Jahren fällig geworden. Es handelt sich um angelegtes Familienvermögen.

Es gab eine einmalige Einzahlung in Höhe von 2,5 Mio. Euro auf ein Sonderkonto. Von diesem wurden fünf Jahre lang die Prämien in die Versicherung eingezahlt.

Die Auszahlung hätte eigentlich bei gut 4,4 Mio. liegen sollen. Die niedrigen Zinsen haben jedoch den Ertrag geschmälert. Das damalige Motiv zur Anlage in der Lebensversicherung war die Steuerfreiheit der Erträge.

Die Auszahlung beträgt knapp über 4 Mio. Euro. Diese sollen jetzt vollständig angelegt werden. Das Geld liegt auf einem Tagesgeldkonto der örtlichen Volksbank. Der Zinssatz beträgt 0,3 % p. a.

Zwei Vermögensverwalter gesucht

Unser Kunde sucht zwei Vermögensverwalter, auf die er das Geld verteilen kann. Nach einem Probejahr will er entscheiden, ob er einer Bank den gesamten Betrag überantwortet. Während des Probejahrs möchte er 2 Mio. Euro zunächst sicher bei einer Bank parken. "Sicher" heißt: keine nominalen Verluste auf Jahressicht. Welches Angebot kann die Bank dazu machen? Das interessanteste erhält den Zuschlag.

Jeweils 1 Mio. Euro erhalten zwei ausgewählte Banken zur Vermögensverwaltung. Der Kunde möchte allerdings bereits nach einem Jahr sehen, wie es gelaufen ist und sich dann entscheiden, ob er alles zu einem Haus bringt. Auch will er dann klären, was mit den "sicheren" 2 Mio. Euro geschieht.

Insgesamt aber, so viel wusste die Bank bzw. der Vermögensverwalter, konnte sie bei entsprechend gutem Angebot und überzeugendem Leistungsnachweis bis zu 4 Mio. Euro unter ihre Fittiche, vielleicht sogar mit etwas Überzeugungskraft in die eigene Vermögensverwaltung bringen.

Das primäre Anlageziel unseres Kunden lautet: Die Ausschläge nach unten sollten möglichst gering ausfallen. Und er erwähnt im Anlagegespräch vor Ort, dass er eine sofortige Info wünscht, wenn sein Portfolio einmal um 10% abrutscht.

Er hat aber noch ein weiteres Anlageziel: Mit einem Zeithorizont von mindestens fünf Jahren strebt er realen Kapitalerhalt an. Er erwartet nicht, dass bereits nach einem Jahr dieses Ziel erreicht wird, wenn bspw. die Börse schlecht läuft. Realer Kapitalerhalt bedeutet für ihn, Erhalt der Kaufkraft und Ausgleich von Kosten und Steuern. Kurz: Er möchte sich in fünf Jahren mit dem Geld dasselbe kaufen können wie heute. Dazu möchte er vom Berater gerne wissen, wie viel Risiko er zur Erreichung seiner Ziele eingehen muss. 

Fazit

Es war ein Fall, an dem die Anbieter zeigen konnten, was das Private Banking ausmacht: Maßschneiderei und Individualität in der Vermögensstrategie und -anlage. Zeigen, ob sie auch für Festgeld interessante Konditionen bieten oder nur flott an die Million für die Vermögensverwaltung kommen wollen.