Der Fall 2017

Ein klares Ertragsziel pro Jahr und eine hohe Risikoaversion – das in Zeiten von Nullzinsen umzusetzen, ist eine harte Nuss. Eine Stiftung im Allgäu wünscht sich aber nicht nur das. Die Vermögensmanager, die das 3-Mio.Euro-Mandat übernehmen wollen, müssen noch weitere Voraussetzungen erfüllen.

 

Die ehemalige Verlegerin Thussi Drexler gründete im Jahr 2010 die nach ihr benannte Stiftung. Deren Zweck ist die Unterstützung hilfsbedürftiger Personen im näheren Umkreis des Sitzes der Stiftung im Allgäu. Sie bedachte die Stiftung als Alleinerbin testamentarisch.

Nach dem Tod der Gründerin, verfügt die Stiftung derzeit über ein Vermögen von ca. 3 Mio. Euro. Dieses Vermögen soll professionell verwaltet werden, damit nachhaltig Erträge zur Erfüllung des Satzungszweckes erwirtschaftet werden.

Kapital erhalten, Erträge erwirtschaften

Das derzeitige Zinsumfeld macht es einem Laien schwierig, genügend Ertrage zu erwirtschaften. Ziel des Stiftungsvorstands ist eine möglichst spekulationsfreie, d.h. das Stiftungskapital erhaltende Anlage der Stiftungsmittel. Ziel ist es auch, die Erträge auszuschütten und dem Stiftungszweck zuzuführen.

 

Auf Empfehlung des Stiftungsrates entschloss sich der Vorstand, die Vermögensverwaltung der Stiftungsmittel auszuschreiben. Er wand sich daher im Frühherbst 2016 schriftlich an eine größere Anzahl an Banken und Vermögensverwalter, insbesondere in Deutschland, aber auch in der Schweiz, in Liechtenstein, in Österreich und Luxemburg. Sie sollten Vorschläge unterbreiten, das Stiftungsvermögen nach folgenden Maßgaben anzulegen:

1. Anlage- und Risikostrategie

a. Die Stiftung benötigt jährlich zwischen 50.000 und 100.000 Euro zur Erfüllung des Stiftungszwecks. Die Bewerber sollten detailliert und nachvollziehbar aufzeigen, mit welcher Struktur, welchen Wertpapieren und Instrumenten sie das Stiftungsvermögen anlegen würden, wenn sie das Mandat erhielten. Sie sollten auch transparent machen, welche Mittel für den Stiftungszweck zur Verfügung stehen konnten.

b. Das Vermögen soll in seiner Substanz immer erhalten bleiben. Derzeit besteht das Vermögen aus Festgeldern, Sparbüchern und einigen relativ risikoarmen Fonds. Ziel der Stiftung ist es ca. 15 % liquide zu halten, damit die Stiftung ausreichend flexibel ist. Die Vermögensmanager sollen darlegen, wie sie mit der Diskrepanz zwischen dem Erwirtschaften von guten Erträgen und dem Substanzerhalt des Stiftungsvermögens umgehen wollen.

2. Werterhaltungsstrategie

a. Die Werterhaltung ist für die Stiftung nach dem Willen der Stifterin, aber auch aufgrund des Stiftungsgesetzes sehr wichtig. Die Stiftungsverantwortlichen möchten dazu eine „Firewall“, eine Verlustbegrenzung, einziehen, damit eventuelle Verluste das Stiftungsvermögen nicht angreifen. Die Frage hieß, ob das ein Risikomanagement nötig sei.

3. Berichtswesen

a. Einmal jährlich sollte am Sitz der Stiftung zusammen mit dem Stiftungsrat und dem Vorstand eine Besprechung mit dem Vermogensverwalter stattfinden und über die Entwicklung des Vermögens informieren. Dabei ist die Anlagestrategie zu erläutern und evtl. an die aktuelle Finanzlage anzupassen. Ansonsten wünscht sich die Stiftung eine quartalsweise Berichterstattung.

4. Kosten

a. Die Kosten sollten sich quartalsweise aus zwei Teilen zusammensetzen und zwar eine prozentuale Fee auf das Stiftungsvermögen und eine erfolgsabhängige Provision auf Basis des kumulierten Ertrages. Verluste sind damit vor der nächsten Provisionswertstellung wieder zu bereinigen.

b. Alternativ ist eine feste prozentuale Gebühr ohne Erfolgskomponente möglich.

Die Stiftung bot an, auf Anforderung die Satzung zuzusenden. Eine Anlagerichtlinie existierte bis zum Zeitpunkt der Ausschreibung nicht.

 

Fazit

Fazit: Einerseits stehen durch das Fehlen einer Anlagerichtlinie viele Möglichkeiten zur Anlage des Stiftungsvermögens offen. Andererseits beschränkt die konservative Herangehensweise der Stiftungsverantwortlichen die Optionen. Da viele Punkte nicht festgelegt sind, sind die Vermögensmanager gefordert, manche sich ergebende Frage eigenständig zu beantworten und sich in den Stiftungsvorstand hineinzudenken.