Der Fall 2016

Die Alfred-Flakowski-Stiftung ist seit ihrer Gründung im Jahr 1993 in der Stadt Brandenburg an der Havel und in der unmittelbar benachbarten Region tätig. Entsprechend ihrer Satzung konzentriert sie sich auf Soziales und Jugend, Kunst und Kultur sowie im Denkmalschutz.

Damit die Stiftung ihrem Stiftungszweck nachkommen kann, benötigt sie Erträge aus ihrem Vermögen. Doch um diese zu erwirtschaften, muss der beauftragte Vermögensverwalter eine Reihe von Vorgaben einhalten. Die Stiftung erwartet eine ordnungsgemäße, spekulationsfreie und die Interessen des Vermögenserhaltes und der Ertragsausschüttung berücksichtigende Vermögensverwaltung.

Im Sommer 2015 entschlossen sich Vorstand und Kuratorium der Stiftung, die Vermögensverwaltung neu auszuschreiben.

Als Mitglied im Bundesverband Deutscher Stiftungen bat die Stiftung diesen um fachliche Unterstützung. Zudem schaltete sie die Private Banking Prüfinstanz (PBPI), Verlag Fuchsbriefe und Institut Dr. Richter | IQF zur fachlichen Begleitung der Ausschreibung ein. Die Private Banking Prüfinstanz blieb zunächst im Hintergrund, um das Ergebnis der Ausschreibung nicht zu verfälschen, weil die Vermögensmanager mit einer Veröffentlichung rechneten.

 

 

Rund 3 Millionen Stiftungsvermögen

Die Stiftung verfügte zum Ausschreibungszeitpunkt über 2,1 Mio. EUR, die zu 15 % in Aktien, zu 75 % in Renten und zu 6 % in Immobilien angelegt waren (+4 % liquide Mittel). Darüber hinaus gehört zum Anlagevermögen ein Grundstück mit Gebäude im wert von etwa 900.000 EUR. Das Gebäude wird in der Stadt Brandenburg als Haus der Begegnung an freie Träger vermietet. Vom ursprünglichen Stiftungskapital von 5 Mio. Euro, das der Stifter Alfred Flakowski 1993 seiner Stiftung überantwortet hatte, waren im Zuge der Finanzkrise 2002 und 2008 also rund zwei Mio. EUR „verbrannt“. Eine Erfahrung, die die Stiftungsorgane geprägt hat und ihr Handeln sowie die Auswahl des künftigen Vermögensmanagers bestimmt.

Anforderungen der Anlagerichtlinie

Diese sieht unter anderem vor, das Stiftungsvermögen in seinem Bestand ungeschmälert zu erhalten. Das maßgebliche Ziel der Vermögensanlage besteht darin, bei zulässigem Risiko Erträge zu erwirtschaften, die der Erfüllung des satzungsgemäßen Stiftungszwecks dienen. Darüber hinaus soll nach Möglichkeit auch ein Beitrag zum (realen) Werterhalt des Stiftungsvermögens geleistet werden.

Für die Erfüllung des satzungsmäßigen Stiftungszwecks sollen Erträge in Höhe von mindestens 20.000 EUR per anno erwirtschaftet werden. Für die Ertragserzielung werden Anlageformen ausgewählt, die ein hohes Maß an Sicherheit bieten sowie eine optimierte Rendite und eine planbare Ertragsausschüttung ermöglichen. Rein spekulative Anlageformen sind ausgeschlossen.

Die Kapitalanlage erfolgt durch eine gezielte, aufeinander abgestimmte Auswahl von Anlageformen, die dem Grundsatz der Risikodiversifikation unterliegt, d.h. einer optimierten Mischung und Streuung der Anlageinvestitionen nach Anlageklassen, Branchen, Ratings und Investitionsvolumina. Gewinne durch Anlagen sind zu realisieren, um das Vermögen aufzubauen.

Der Vermögensmanager muss Quartalsberichte mit Asset-, Länder- und Währungsallokation, Bonitäten, Cash Flows, Performance und Benchmarkvergleich erstellen und eine qualifizierte, nachvollziehbare Einschätzung der Risiken geben.

Kuratorium und Vorstand hatten sich im Vorfeld neben den in der Anlagerichtlinie aufgeführten Grundsätzen zu weiteren Schwerpunkten verständigt, zu denen sich die angeschriebenen Vermögensmanager äußern sollten.

1. Anlage- und Risikostrategie vorstellen

Die Stiftungsorgane wollten wissen, welche Anlagestrategie die Vermögensmanager vorschlagen und wie genau sie das Erwirtschaften hoher Erträge mit der Verpflichtung zum realen Erhalt des Stiftungsvermögens in Einklang bringen wollen. Sie sollten ihre Risikostrategie erläutern, welche Anlageformen und –instrumente sie vorschlagen und in welchem Verhältnis zueinander sich diese bewegen sollten. Was empfehlen sie und was schließen sie aus? Denkbar wären aus Sicht der Stiftung auch Beteiligungen oder ähnliches an Investitionsvorhaben vor Ort im sozialen, aber auch in anderen Bereichen. Die Vermögensmanager sollten ihre Erfahrungen dazu mitteilen und eine Empfehlung abgeben.

2. Werterhaltungsstrategie eingefordert

Wichtig ist den Stiftungsgremien eine Werterhaltungsstrategie. Dies bedeutet, dass das reale zu verwaltende Stiftungsvermögen nicht beliebig an Wert verlieren darf. Die Vermögensmanager sollten im Angebot erläutern, wo sie die Grenze des maximalen Verlustes ziehen und wie sie das entsprechende Risikomanagement dafür aufbauen würden.).

3. Laien verständlicher Quartalsbericht gefordert

Der Stiftung ist zudem ein fester Ansprechpartner im Portfoliomanagement wichtig. Sie erwartet vierteljährlich einen Quartalsbericht sowie einen Jahresbericht. Wichtig auch der deutliche Hinweis zur Verständlichkeit aller Unterlagen: „Die Organe der Stiftung müssen in die Lage versetzt werden, die Entscheidungen zur Anlage des Vermögens verstehen, nachvollziehen und akzeptieren zu können. Zu den jeweiligen Berichten ist eine auf maximal zwei A4 Seiten gestaltete leicht zu erfassende Ergebnisinterpretation hinzuzufügen.“

4. Vermögensverwaltungsgebühr mit Erfolgskomponente

Die Stiftung schlug von sich aus vor, dass der Vermögensverwalter auf das zu verwaltende Vermögen eine in Prozent gestaltete Gebühr als Grundgebühr erhalten soll. Des Weiteren stellt sie sich eine erfolgsabhängige Provision vor, die sich nur am kumulativen Zuwachs (Ertrag) ausrichtet. Verluste müssen somit wieder vor der nächsten Provisionswertstellung ausgeglichen werden.

Fazit

Die Stiftung suchte also einen Vermögensmanager, der das Brot- und Buttergeschäft der Verwaltung von Stiftungsvermögen aus dem Effeff beherrscht, den Vermögenserhalt in den Vordergrund stellt, aber zugleich ertragsorientiert vorgeht. Zudem will sie dauerhaft feste Ansprechpartner, die in der Lage sind mit den Mitgliedern des Stiftungsvorstands laienverständlich zu kommunizieren. Das Gesamtvermögen von 3 Mio. EUR ist durchaus attraktiv und die Möglichkeit, Produktknowhow im Bereich Immobilienvermögen und Beteiligungen zu zeigen, gegeben.