Michael Stegmüller ist seit 2010 Vorstand der Performance IMC. Davor war er bei der Credit Suisse Leiter der individuellen Vermögensverwaltung. Seine Laufbahn als Vermögensverwalter begann beim Bankhaus Hardy & Co. Mit der Performance IMC hat er die Projektrunde I im FUCHS Performance-Projekt von Dr. Jörg Richter und Verlag Fuchsbriefe für sich entschieden. Mit Michael Stegmüller sprach FUCHSBRIEFE Chefredakteur Ralf Vielhaber über sein Erfolgsrezept.

Sie haben den fünfjährigen Wettbewerb über vier Jahre dominiert. Was war rückblickend Ihr größter Erfolgsfaktor für das sehr gute Ergebnis?

Das war sicherlich die Entscheidung, nach dem ersten schlechten Jahr die Risikostruktur konsequent anzupassen. Sie wissen, wir hatten anfänglich zu viele Unternehmensanleihen im Depot. Wir haben das dann im Zuge der Griechenland-Krise zügig bereinigt. Wir haben uns dann mit Aktien und Anleihen gut positioniert und eine saubere Struktur aufgesetzt. Darauf konnten wir dann aufbauen und mussten in der Folgezeit nicht mehr so viel verändern. 

Konsequentes Handeln ist also die halbe Miete?

Durchaus. Wenn Sie so wie wir in Strukturen denken, dann ist nicht jede Struktur für jede Marktphase die passende. Hat man eine Marktphase falsch eingeschätzt, stellt sich dann natürlich auch die Frage, ob man die Struktur verändern muss, um sich der Situation anzupassen. 

Sie arbeiten mit Risikobudgets. Das ist ja kein Geheimwissen und klingt so, als könnte das im Prinzip jeder ...

Ich denke, unsere Stärke liegt in unserem unabhängigen Denken. Dass wir keine Angst haben, Dinge konsequent zu Ende zu denken und dass wir Risikobudgets mit unserer Erfahrung verknüpfen. Uns zeichnet aus, dass wir in der Einzeltitelprüfung über Jahre hinweg sorgfältig gearbeitet haben und unsere Partner im Fondsbereich gut kennen. Wir wissen daher, was uns in einer bestimmten Marktphase erwartet.

Sie kennen die Diskussion und These, die da lautet, dass aktives Portfoliomanagement dauerhaft nicht in der Lage ist, passive Strukturen wie etwa Indizes zu schlagen. Würden Sie sagen, dass diese Behauptung falsch ist?

Ich glaube, dass wir in der Lage sind mit einer Struktur passive Portfolios zu schlagen. Weil wir in unserer Diversifikation asymmetrische Risiken eingehen können. Das funktioniert aber nicht in jeder Marktphase. Wenn ein Investor mit uns zusammenarbeitet, muss er unsere Philosophie verinnerlicht haben. Es kann auch mal ein Jahr oder zwei dabei sein, wo es bei uns nicht besonders toll läuft.

Sie würden aber behaupten, dass Sie dauerhaft in der Lage sind, passive Strukturen zu schlagen?

Wir machen das ja schon seit dem Jahr 2000 und haben bisher mit unserem Ansatz die Benchmark schlagen können. Darauf sind wir stolz, aber es gibt natürlich immer wieder Marktphasen in denen die Benchmark besser läuft. Das ist einfach so. Man muss die langfristigen Entscheidungen richtig treffen. Ich glaube, dass man mit unserem Ansatz einer Risikooptimierung in der Lage ist mit der Benchmark mitzuhalten.

Was würden Sie einem Investor raten, der mit Ihnen zusammenarbeitet, wie lange soll er sich anschauen, ob er die richtige Wahl getroffen hat?

Er sollte erst mal den Investmentansatz verstanden haben. Das ist nicht selbstverständlich. Das bedeutet, dass er auch schwierige Marktphasen mitgeht. Es gibt immer Situationen, die das emotionale Zentrum eines Kunden berühren und er sich fragt, bin ich noch richtig unterwegs?

Sie meinen, wo er mit Ihnen Verluste macht ...

Wenn der Kunde eine übergeordnete Vermögensstruktur hat – eine bestimmte Quote von Aktien, von Anleihen – und er mit bestimmten Vermögensmanagern zusammenarbeitet, dann ist es kein Problem, ein Portfolio auch über einen längeren Zeitraum laufen zu lassen. Aber diese übergeordnete Struktur muss stimmen, und da machen insbesondere Privatkunden immer noch viele Fehler. Sie nehmen Geld in die Hand, suchen einen Verwalter aus und erwarten eher kurzfristig ein tolles Ergebnis. Haut das nicht hin, sind sie enttäuscht. So funktioniert es aber nicht.

Sie haben vor dem Brexit Risiken nicht abgebaut. War das nicht eine hochspekulative Entscheidung?

Wir haben an den gesunden Menschenverstand geglaubt, und das war falsch. Aber es ist der große Vorteil einer Struktur, dass ich nicht auf kurzfristige Entscheidungen angewiesen bin. Ich schaue mir an, was ist das mögliche Verlustrisiko bei einem bevorstehenden Event und prüfe, ob ich das durchhalten kann. Den optimalen Zeitpunkt zum Ein- und Ausstieg werde ich ohnehin nicht finden. Dafür ist der Markt zu schnell.

Erklären Sie bitte noch mal dem Laien die Arbeit mit Risikobudgets.

Ich möchte das, was wir machen, zunächst mit der Arbeit eines Fußballtrainers vergleichen. Wir haben unser rotes Buch, da stehen alle Fondsmanager drin mit denen wir zusammenarbeiten. Wir verfolgen akribisch, ob der Manager stets das tut, was er sagt. Und können somit einschätzen, wie sich sein Fonds in einer bestimmten Marktphase entwickelt. 

Und jetzt zu den Risikobudgets ....

Im Prinzip möchte ich eine Zinsentwicklung abbilden und suche mir dazu verschiedene Manager für Anleihen, Aktien, Emerging Markets und so weiter. Diese Manager haben aus der Historie eine Zielrendite und ein Risiko. Die Rendite kann ich nicht fortschreiben. Das Risiko aber sehr wohl. Ich spreche dabei vom Abwärtsrisiko in einer bestimmten Marktphase. Das schauen wir uns penibel an und fragen, welcher Manager ist in dieser Marktphase besser als die Benchmark und der Markt in dem er agiert ? Die Manager stelle ich so zusammen, dass sich daraus ein gewünschtes, übergeordnetes Risiko ergibt. 

Wo liegen die Vorteile dieses Vorgehens für den Kunden?

Er kann ein Risiko definieren, das er eingehen will, wir bilden dieses ab und schauen, dass wir dafür die bestmögliche Rendite erwirtschaften können. Der Kunde verlässt sich auf das Risikobudget und dass wir ihm dafür eine gute Verzinsung erwirtschaften.

In unserem Falle waren das also die 20% Maximum Drawdown, das war für Sie das vorgegebene Risikobudget?

Genau, daran haben wir die Struktur ausgerichtet. Ich gehe so viel Risiko ein, dass ich die 20% Verlust haben kann, und dafür möchte ich die bestmögliche Rendite erzielen.

Wenn Sie heute neu starten würden, wie würden Sie Ihr Portfolio bei einem Risikobudget von 20% jetzt ausrichten?

Ich würde bis zu 50, 60% Aktien ins Portfolio nehmen und entsprechend 40% Anleihen. Wenn Sie 60% Aktien haben und die machen 50% Verlust, haben Sie aufs Gesamtportfolio gesehen 30% Verlust; also muss ich im Aktienbereich asymmetrische Strukturen aufbauen, um diese Risiken abzufedern. Auf der Anleiheseite muss ich ohnehin nehmen, was ich kriegen kann und möglichst diversifiziert sein. Ich vermute, die Zinsen bleiben unten und die Zinskurve wird steiler, am langen Ende gehen die Zinsen also nach oben. Daher darf ich keine Langläufer haben. 

Wieso glauben Sie das?

Die Notenbanken wissen schon, dass sie Banken brauchen, damit sie die Wirtschaft am Laufen halten, deshalb glaube ich, dass sie alles daran setzen, die Zinstrukturkurve über Null zu bekommen. 

Letzte Frage: Die 1,2% inkl. Umsatzsteuer, die wir als all-in-fee im Performance-Projekt angesetzt haben, ist die angemessen?

Ich würde sagen, ja. 

Herr Stegmüller, vielen Dank für das Gespräch.